Nordamerikanischer Waschbär

(Procyon lotor)

 

 

Haltungen:                         Deutschland: 174  (Liste bei Zootierliste)                                                    

                                            Restliches Europa: 238

Vorkommen:                      Nord und Mittelamerika

Kopf-Rumpf-Länge:          44 - 62 cm

Schwanzlänge:                  19 - 36 cm

Gewicht:                              2,7 - 10,4 kg

Gefährdungsstatus:           nicht gefährdet

Waschbär (2)
Waschbär (1)
Waschbär (5)
Waschbär (5)
Waschbär mit Wuschel  (1)
Waschbär (6)
Waschbär  (15)
Waschbär  (1)
Waschbär  (2)
Waschbär  (5)

Weitere Infos:

Zu diesen kleinen putzigen Raubtieren aus der Familie der Kleinbären gibt es in Deutschland wohl nur zwei Meinungen: „Oh mein Gott, sind die süss“ oder „Nicht schon wieder ein Waschbär“… Nicht verwunderlich, da die Waschbären (Procyon lotor) ursprünglich aus Nordamerika stammen, daher als invasierve Tierart erst seit ca. 1934 in Deutschland in freier Wildbahn leben*1 – und nicht alle glücklich darüber sind…
 
So fand auch meine erste richtige Begegnung mit einem Waschbären statt: Im halbdunkeln stand ich bei Freunden (mitten auf dem Land) in der Hofeinfahrt, als sich etwas bewegte (die Tierchen sind nachtaktiv). Während ich sehr verwundert in Richtung der Bewegung schaute (das Tier war eindeutig zu groß für eine Katze und die Bewegungsabläufe passten nicht zu einem Hund*2) und nach kurzer Zeit voller Entzückung war, dass ich einen Waschbären in freier Wildbahn sah, waren meine Gastgeber alles andere als erfreut… Jegliche Sicherung der Mülltonnen hatte nämlich in der Vergangenheit nicht zum Erfolg geführ
t – die kleinen Allesfresser schafften es Nacht für Nacht erneut, entsprechendes Chaos auf Nahrungssuche zu verbreiten…
 
Im Anschluss habe ich, mit großer Begeisterung, etwas über die Tiere recherchiert. Faszinierend fand ich vor allem, dass sie ihren Namen der Tatsache verdanken, dass sie ihre Nahrung gern aus Flüssen fangen – und dies so aussieht, als ob sie die Nahrung waschen würden. Spannend ist, dass Waschbären eng mit den Panda- und Nasenbären verwandt sind.
 
Als Haustiere sollten (und dürfen) diese putzigen Gefährten trotzdem nicht gehalten werden, da sie keine domestizierte Tierart sind. Insbesondere ab der Geschlechtsreife können sie aggressiv werden und bzgl. Ernährung und Bewegung müssen diverse Punkte berücksichtigt werden. Trotzdem ist es möglich, diese Tiere hautnah zu erleben… Eine wunderbare Ausnahme, die während ihrer geschlechtsreife den Kontakt zu Menschen nicht verloren hat, lebt bei Weselohs Tierleben. Hier darf man, während eines VIP-Besuches Leckerlies aus der Hand überreichen – und bekommt dabei nicht nur ein gutes Bild..:! Eine andere Möglichkeit ist z.B. das Angebot „Rendezvous mit deinem Lieblingstier“ im Wildpark Lüneburger Heide. Ich kann euch beides nur wärmstens empfehlen.
 
Ich hatte, zusätzlich zu diesen beiden Möglichkeiten, eine unbeschreibliche Zeit mit einer kleinen Handaufzucht. Ausgesetzt und fast verhungert wurde sie in einer Wildtierauffangstation abgegeben – und ich durfte bei der Aufzucht unterstützen. Die Paarungszeit von Waschbären ist das Frühjahr (Februar/März) und bis zur Geburt dauert es ca. 65 Tage. Pro Wurf kommen zwei bis sechs Junge zur Welt. Die Babys sind ca. 10 cm groß, wiegen 70 Gramm und haben keine Zähne – diesen Fakt kann ich bestätigen… Die Männchen suchen sich bereits vier Monaten ihr eigenes Gebiet. Die Tiere sind generell Einzelgänger – die Weibchen schließen sich als soziale Lebewesen jedoch durchaus als Gruppe zusammen. Und auch Männchen können sich Territorien teilen, ohne große Auseinandersetzungen zu haben – so dass die Tiere in Gehegen häufig mit Artgenossen zusammenleben.
 
Nach meinen persönlichen Kontakten zu den Tieren kann ich euch bestätigen: Es sind sehr laute Tiere. Bei Unzufriedenheit kekkern sie. Wenn sie kämpfen (oder kämpfen wollen) kreischen und knurren sie laut. Wenn sie Artgenossen nicht mögen (dies gilt übrigens auch für Nicht-Artgenossen wie Menschen und Hunde)  ist ein Fiepen zu hören.
 
Weitere Fakts:

  • *1 Innerhalb der Gattung der Waschbären existieren drei Arten, der nordamerikanische, der Krabben und der Cozumel-Waschbär. Außerdem gibt es diverse Unterarten. Allerdings unterscheiden sich die Arten im Aussehen nur sehr geringfügig. Bei uns in Deutschland ist in freier Wildbahn nur der nordamerikanische Waschbär anzutreffen - da von dieser Art ca 1934 ein Paar in die freie Wildbahn entlassen wurde.

  • *2  Die Männchen werden Rüden genannt und sind im Durchschnitt etwa 80-90 Zentimeter lang (der Schwanz misst dabei bis zu 25 cm) und fünf bis acht Kilogramm schwer. Die Weibchen (Fähen) sind etwas kleiner und leichter.

  • Die Lebenserwartung in freier Wildbahn sind ca. 10 Jahre.

  • Geschlechtsreif sind Waschbären bereits nach ein bzw. zwei Jahren und ihr Lebensraum ist der Wald, da sie hervorragende Kletterer sind.

  • Der wichtigste Sinn für den Waschbären ist der Tastsinn mit den Vorderpfoten (mit fünf freistehenden Fingern), den Tasthaaren und den Krallen.

Text von Saskia Oldenburg

 

Mehr Informationen zu den Waschbären findet ihr bei Wikipedia oder im Zootier Lexikon.