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Christoph Wüst zum Thema Corona

Christoph Wüst ist Betriebsleiter des Plättli Zoo und hat uns bereits einmal ein Interview gegeben, das ihr hier findet. Wir danken Ihm, das er sich die Zeit genommen hat uns nochmal einige Fragen zu beantworten. 

Erst einmal das wichtigste, geht es dir, deiner Familie und den Kollegen gut?

Danke der Nachfrage. Zum Glück geht es allen in meinem Umfeld gut und wir sind von einer Erkrankung verschont geblieben. Wir freuen uns natürlich, wenn wir wieder mit der ganzen Familie zusammenkommen können. Aber momentan heisst es wohl Geduld haben. Ich habe das grosse Privileg in der aktuellen Situation, dass ich immer noch arbeiten gehen darf oder muss.

 

Durch meine Funktion als Betriebsleiter und Präsident des Vereins Wildparks und Zoos der Schweiz, WZS, www.wzs.ch habe ich aktuell natürlich eine Doppelbelastung. Es fallen zusätzliche administrative Arbeiten im Zoo und im Verein an. Ich hoffe doch sehr, dass sich die Lage in dieser Hinsicht bald entspannen wird.

 

Verhalten sich die Tiere jetzt ohne Besucher anders als sonst?

Was mir aufgefallen ist: Der Tierpfleger wird wieder spannender für das Tier. Fast alle unsere Tiere sind sich sehr nahen Kontakt zu den Besuchern gewohnt und werden von diesen natürlich auch mit Streicheleinheiten versorgt. Dies entfällt aktuell natürlich. Und auch so gerne wir unsere Tiere haben fehlt einem die Zeit dies alles zu kompensieren. Negative Effekte durch die Schliessung des Zoos konnte ich aber bis anhin nicht beobachten. Die Löwen heben bei fremden Personen nur aber doch eher den Kopf, als wenn wir einen normalen Tag haben mit Besuchern.

 

Bemerken die Tiere überhaupt, dass die Besucher fehlen?

Wie oben beschrieben fehlen Ihnen sicher die Streicheleinheiten. Zum Glück haben wir aber auch so eine gute Beschäftigung für die Tiere. Das Füttern bei den Streichelzoos fällt momentan auch weg. Heu und Stroh sowie Gras haben wir aber aktuell genügend an Lager. Somit müssen auch diese Tiere nicht hungern ohne Besucher.

Gibt es einen Plan, wie im Fall einer Infektion unter den Mitarbeitern die Tiere weiter versorgt werden können?

Wir halten uns an die aktuellen Richtlinien des Bundesamtes für Gesundheit. Kranke Mitarbeiter dürften im Moment nicht zur Arbeit erscheinen. Zum Glück waren die Fallzahlen in unsere Region nicht sehr hoch und dadurch auch das Risiko einer Ansteckung entsprechend niedrig. Unsere Mitarbeiter sind sehr verantwortungsvoll und geben ihr Bestes für den Zoo und die Tiere.

 

Hat sich an Deiner Arbeit durch die Schließung wegen Corona etwas geändert?

Es fallen momentan alle Arbeiten weg, die für Besucher gemacht werden. Sprich: keine Reinigung von Besucherwegen, Abfallkübel müssen nicht geleert werden, kein Spielplatzunterhalt etc.

Die Tiere werden weiterhin optimal durch unsere Pfleger umsorgt. Daran hat sich auch ohne Besucher nichts geändert. Wir haben aber doch etwas mehr Zeit für Projekte, die wir geplant haben. So arbeiten wir zurzeit an einer Biodiversitäts-Ecke für die Besucherbildung, haben für die Berberaffen neue Klettereinrichtungen gebaut mit integriertem Unterstand für Ziegen und Esel. Diese Tiere werden zeitweise in einer Vergesellschaftung mit den Berberaffen gehalten. Weitere Projekte folgen, wir achten aber darauf, dass wir keine zu grossen Kosten generieren.

 

Mal eine allgemeine Frage, kannst du sagen, was mit den Tieren passiert, wenn ein Zoo oder Tierpark die Schließung nicht überstehen sollte?

Sollte die Situation durch die Schliessung und den dadurch entstandenen Schaden so prekär werden haben wir in der Schweiz aktuell die Möglichkeit für zinslose Darlehen, die durch den Staat verbürgt werden. So kann eine akute Situation erstmal entschärft werden. Sollte es, widererwarten zu einer dauerhaften Schliessung eines Zoos kommen wäre in einer ersten Phase der kantonale Veterinärdienst zuständig für die Tiere. Hier würde dann sicher abgeklärt welche Tiere wo platziert werden können, zum Beispiel in anderen Zoos. Aktuell schätze ich die Lage aber nicht so ein, dass wir in der Schweiz bald zu solchen Massnahmen greifen müssen.

 

 

Habt ihr Ideen wie die finanziellen ausfälle des Zoos ausgleichen werden können?

Aktuell haben wir noch keine Zusage von Bund oder Kantonen wie den Zoos geholfen werden kann. Wir sind aber aktiv daran eine Lösung für alle betroffenen Betriebe zu erarbeiten. Eine erste in Aussicht gestellte Variante über eine spezielle Covid-19 Kulturverordnung wurde aber leider durch Kantone blockiert, da Zoos keine Kultureinrichtungen seien. Dies obwohl sich die Aufgaben der Zoos mit den meisten Leitbildern zur Kultur decken. Der Regierungsrat im Kanton Thurgau, Standortkanton des Plättli Zoos hat uns eine Lösung in Aussicht gestellt, aktuell müssen wir uns aber noch in Geduld üben.

Ausserdem haben viele Betriebe eine Versicherung für Epidemie Fälle. Da die WHO aber eine Pandemie ausgerufen hat berufen sich viele Versicherungen darauf, dass dieser Fall nicht versichert ist. Auch hier laufen zurzeit viele Abklärungen und es wurden Rechtsgutachten in Auftrag gegeben.

Viele Zoos leben von regionalen Besuchern. Die Umsatzausfälle sind also genau gleich hoch, ob jetzt Epidemie oder Pandemie.

 

Was können Besucher und Fans des Zoos/Tierparks tun, um zu helfen?

Wir haben ein Spendenkonto, auf welches man eine freiwillige Spende einzahlen kann. Ausserdem besteht die Möglichkeit über Tierpatenschaften den Zoo zu unterstützen. Es gibt auch Medien die zum Beispiel Zooeintritte gekauft haben und diese dann verlosen.
Eine Tierpatin von uns näht Schutzmasken und gibt diese gratis ab, mit dem Wunsch dem Plättli Zoo eine Spende zukommen zu lassen.

 

Der Zoo Köln hat veröffentlicht wie hoch die täglichen kosten des Zoos in etwa sind. Kannst und möchtest du uns etwas zu eurer Situation sagen?

Wir haben monatliche Fixkosten von rund 45‘000 CHF. Wir haben aber das grosse Glück, dass wir Rückstellungen haben für eine schlechte Saison und für geplante Bauprojekte. Diese können wir nun nutzen und müssen wohl oder übel die Projekte zu einem späteren Zeitpunkt realisieren.

 

 

Gibt es in der aktuellen Situation eigentlich die Möglichkeit für den Zoo/Tierpark an etwas zu sparen?

Die einzige Chance Geld einzusparen im Moment ist Kurzarbeit.

 

Wie fühlt es sich an, mitten am Tag, bei sonnigem Wetter durch einen leeren Zoo/Tierpark zu laufen?

Es ist ein sehr komisches Gefühl. Mit dem Wetter der letzten Tage, seit wir geschlossen hatten war kein Regentag mehr, wäre unsere Saison optimal verlaufen. Nun geniessen wir einfach unsere Tiere für uns selbst.

 

Gibt es bei Futterlieferungen vielleicht irgendwelche Engpässe, weil Lieferanten schließen mussten oder ihnen das Personal fehlt?

Wir haben aktuell keine Engpässe beim Futter. Da wir Obst und Gemüse aus Aldi und Lidl beziehen, welches im Laden nicht mehr verkauft werden soll, hatten wir nur am Anfang der Corona Krise weniger Lieferungen da durch Hamsterkäufe alles verkauft wurde.

 

Wie können sich die Besucher über den Zoo/Tierpark und die Tiere auf dem Laufenden halten?

Über soziale Medien wie Facebook und Instagram, unserer Homepage sowie Zeitungsartikel.

 

 

Unterstützen könnt ihr den Plättli Zoo hier