
Hinter Türchen Nr. XX versteckt sich die Schneeeule
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Die Schneeeule
Wer an Eulen denkt, hat meistens das Bild eines schläfrigen Nachtvogels vor Augen, der tagsüber im dichten Wald pennt. Vergessen Sie das! Die Schneeeule (Bubo scandiacus) bricht alle klassischen Eulen-Regeln. Zu Hause in der endlosen, baumlosen arktischen Tundra Nordamerikas und Eurasiens, ist dieser majestätische Vogel der unangefochtene, schneeweiße König des Nordens – und absolut fit für den helllichten Tag.
Der gefiederte Kühlschrank-Bewohner mit den Puschel-Slippern:
• Jäger im Schichtdienst: Weil in der arktischen Heimat im Sommer die Sonne wochenlang überhaupt nicht untergeht, nützt der klassische Nachtmodus nichts. Die Schneeeule jagt deshalb auch am helllichten Tag (sie ist tagaktiv beziehungsweise diurnial). Mit ihren leuchtend gelben, katzenartigen Augen entgeht ihr selbst auf riesige Entfernungen keine noch so kleine Bewegung im Moos.
• Eingebaute Plüsch-Schneeschuhe: Die Schneeeule ist perfekt gegen Temperaturen von bis zu minus 50 Grad isoliert. Ihr Federkleid ist extrem dicht und macht sie zu einer der schwersten Eulenarten überhaupt. Sogar ihre Füße und Krallen sind bis zu den Spitzen mit dicken, weichen Federn überzogen. Das sieht nicht nur aus wie flauschige Hausschuhe, sondern schützt perfekt vor Erfrierungen im Schnee und funktioniert beim Landen wie ein Schneeschuh.
• Das Lemming-Barometer: Der Speiseplan und das Liebesleben der Schneeeule hängen fast komplett von einem einzigen kleinen Nagetier ab – dem Lemming. Gibt es ein gutes Lemming-Jahr mit reichlich Futter, legt das Weibchen bis zu 11 Eier in ihr Bodennest. In schlechten Jahren, wenn die Nager knapp sind, verzichten die Eulen oft komplett auf Nachwuchs und fliegen stattdessen als Nomaden Tausende Kilometer weit nach Süden, um woanders Futter zu suchen.
Gefährdungsstatus:
Auf der Roten Liste der IUCN wird die Schneeeule global als „gefährdet“ (Vulnerable) geführt. Die Bestände gehen leider deutlich zurück. Das liegt vor allem am Klimawandel, der den sensiblen arktischen Lebensraum auf den Kopf stellt und dafür sorgt, dass die für die Eulen lebenswichtigen Lemming-Populationen immer seltener die nötigen Spitzenwerte erreichen. In einigen Ländern, wie zum Beispiel in Schweden, gilt die Schneeeule als Brutvogel mittlerweile sogar als regional ausgestorben.
Fun Fact:
Die Balz der Schneeeulen-Männer ist ein echtes Dating-Drama für Feinschmecker. Um eine Dame von sich zu überzeugen, wirft sich das Männchen am Boden in Pose, breitet die Flügel aus und führt witzige Flugmanöver vor, bei denen es zwischendurch fast wie ein Stein nach unten ploppt.
Der absolute Clou ist jedoch das Mitbringsel:
Das Männchen fliegt die ganze Zeit mit einem toten, fetten Lemming im Schnabel herum. Erst wenn die Auserwählte das kulinarische Hochzeitsgeschenk annimmt, ist die Ehe besiegelt. Liebe geht eben auch in der Arktis durch den Magen!
Vorkommen:
Arktische Regionen von Nordamerika, Europa und Asien (z. B. Tundra in Skandinavien, Sibirien, Alaska, Kanada)
Lebensraum:
Offene, baumlose Tundralandschaften, Fjell-Regionen und Küstengebiete; im Winter teils auch auf Feldern und Freiflächen weiter südlich
Kopf-Rumpf-Länge / Stockmaß:
52 – 68 cm (Spannweite: 125 – 150 cm)
Schwanzlänge:
ca. 18 – 25 cm
Gewicht:
1,2 – 2,5 kg (Weibchen sind meist deutlich größer und schwerer als Männchen)
Nahrung:
Kleine Säugetiere (vor allem Lemminge und Wühlmäuse), bei Gelegenheit auch Vögel und Fische
Gefährdungsstatus:
VU (gefährdet) – die Bestände gehen durch den Klimawandel und schwindendes Nahrungsangebot stark zurück
Haltungen:
372 mal in Europa / 167 mal in Deutschland
Quelle: www.zootierliste.de






