Unter Wasser mit den Königen der Arktis
Die Eisbärenwelt in Yukon Bay
In der kanadischen Themenwelt „Yukon Bay“ des Erlebnis-Zoos Hannover scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Zwischen rostigen Kränen und dem Wrack des Frachters „Yukon Queen“ taucht man ein in eine Kulisse, die an eine alte, stillgelegte Mine im hohen Norden erinnert. Doch das Herzstück dieser Hafenidylle gehört den mächtigsten Landraubtieren der Welt: den Eisbären.
Ein Heim mit vielen Facetten
Seit der Eröffnung im Mai 2010 bietet die rund 2.600 m² große Anlage ihren Bewohnern – aktuell Milana und ihr Partner Sprinter – weit mehr als nur ein schlichtes Gehege. Hier wurde an jede Vorliebe gedacht: Während sich Milana mit Vorliebe im Mulchbad wälzt, zieht Sprinter für sein Nickerchen die weiche Sandfläche vor. Ein Süßwasserfall sorgt nicht nur für die nötige Erfrischung, sondern dient den Bären auch als natürliche Trinkquelle.
Logenplatz im Schiffsbauch
Das pulsierende Zentrum der Anlage ist der gewaltige Lastenkran am Hafenbecken. Er ist nicht nur Dekoration: Von seinem Ausleger aus führen die Tierpfleger die kommentierten Fütterungen durch. Wer den Eisbären dabei besonders nah kommen möchte, begibt sich in den Bauch der „Yukon Queen“. Durch die riesigen Panoramascheiben unter der Wasserlinie eröffnet sich eine faszinierende Welt. Hier beobachtet man Milana und Sprinter dabei, wie sie schwerelos durch die 900 m² große Salzwasserfläche gleiten.
Damit der Blick auf die tauchenden Riesen – und ihre Nachbarn, die Brillenpinguine – immer glasklar bleibt, sorgt ein automatisches Reinigungssystem mit Wasser- und Luftdruckdüsen für saubere Scheiben.
Technik, die den Jagdinstinkt weckt
Um die intelligenten Bären geistig fit zu halten, hat sich der Zoo Hannover einiges einfallen lassen. Eine rot leuchtende Boje im Becken kann über ein Schienensystem an Land geholt und mit Leckereien wie Eistorten befüllt werden. Über das Gelände verteilt finden sich zudem vier ferngesteuerte Futterklappen. Da die Bären nie wissen, wann und wo sich eine Klappe öffnet, müssen sie ihre Anlage immer wieder neugierig patrouillieren – ganz wie in der freien Natur.
Rückzugsorte und Kinderstube
Hinter den Kulissen und für Besucher unsichtbar verbirgt sich eine ausgeklügelte Infrastruktur. Die Gesamtanlage ist in vier Bereiche unterteilt, die durch eine klappbare Brücke über einen Graben flexibel miteinander verbunden werden können. Besonders wichtig ist der kameraüberwachte Mutter-Kind-Stall. Hier können Tierpfleger und Mediziner im Falle von Nachwuchs – wie zuletzt Ende 2019 – jedes Detail beobachten, ohne die wichtige Ruhe der Mutter zu stören.
Ein Blick hinter die Kulissen
Wie viel Aufwand hinter dieser arktischen Welt steckt, zeigte sich zuletzt im Januar 2019, als das Hafenbecken für Wartungsarbeiten trockengelegt wurde. Solche seltenen Einblicke, gepaart mit der detailverliebten Gestaltung, machen Yukon Bay zu einem Ort, der nicht nur Wissen vermittelt, sondern Geschichten erzählt. Wer Glück hat, erlebt den ultimativen „Yukon-Moment“: Wenn einer der Eisbären vom vier Meter hohen Felsen abspringt und mit gewaltiger Wucht direkt vor den Augen der Besucher ins kühle Nass eintaucht.









